Helmut Horn aus Genthin wird 90 Jahre alt und blickt auf ein bewegtes Leben zurück
Mit dem Rad durch den Kaukasus

04.07.2014

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Eine große Gästeschar gratulierte Helmut Horn am Mittwoch zum 90. Geburtstag. Der Jubilar ist nicht nur in der Kanalstadt bekannt. In Hohenbellin war er einst der jüngste Bürgermeister im damaligen Kreis.

Genthin l "Ich freue mich, dass es Ihnen so gut geht", sagte Bürgermeister Thomas Barz, als er den kleinen Saal in der Gaststätte "Schwarzer Bär" betrat. Ein buntes Gewusel herrschte am Mittwoch rund um den Jubilar Helmut Horn, der den Trubel gelassen nahm. "Es ist doch ein schöner Tag", sagte er und war jederzeit hellwach auch, als ihm der Bürgermeister verschmitzt zum 80. Geburtstag gratulierte, weil ihm Horn so fit gegenübersaß.

"Ich werde doch schon 90", korrigierte der Senior freundlich, aber bestimmt. Helmut Horn kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Im oberschlesischen Oppeln aufgewachsen. Eine schöne Zeit sei das gewesen. Doch dann kam der Krieg und Horn wurde 1941 mit 17 Jahren zum Arbeitsdienst eingezogen. Seine Einheit war unmittelbar hinter der Front stationiert. Dort reparierten die Männer Wege und Brücken. "Ich bin damals mit dem Fahrrad Tausende von Kilometern in den Kaukasus gefahren", erinnert sich Horn an die Zeit.

Der Kriegseinsatz brachte den jungen Mann in die Ukraine, nach Rumänien und in die Slowakei. Dort wurde er in den letzten Kriegswochen verwundet und kam in Gefangenschaft. Nach der Kriegsgefangenschaft kam Horn durch einen alten Jugendfreund nach Hohenbellin. "Das waren furchtbare Hungerjahre, in denen man betteln gegangen ist, um sich zu ernähren", blickt Helmut Horn zurück. Auf dem Feld habe er gearbeitet. Dort passten ihn eines Tages die russischen Besatzer ab und erkoren ihn zum Bürgermeister. "Drei Jahre war ich das, bis 1950", erinnert er sich. In dieser Zeit war er der jüngste Ortsbürgermeister im damaligen Kreis Jerichow I. Damals hatten die Dörfer Hohen- und Altbellin sowie Klein- und Großwulkow noch kein elektrisches Licht. Horn setzte sich bei der damaligen Regierung erfolgreich dafür ein, dass die Dörfer Licht bekamen. Am 23. Dezember 1947 wurde Lichtfest gefeiert. Vorher saßen die Menschen bei Petroleumlampen. In Hohenbellin lernte Horn auch seine Frau kennen. Zwei Kinder wurden geboren und die Familie suchte eine neue Bleibe. So kamen Horns nach Genthin, wo Oberhaupt Helmut im Konsum arbeitete.

Später war er stellvertretender Direktor der Bauernbank, die zu dieser Zeit im heutigen Standesamt des Rathauses untergebracht war. "23 Jahre habe ich in der Buchhaltung im Genthiner Gartenbau gearbeitet", sagt der Jubilar. Die Familie wurde in Genthin sesshaft. Horn blieb auch in der Kanalstadt, als seine Frau 1989 starb. Heute lebt er in seiner Wohnung und versorgt sich mit ein wenig Unterstützung durch die Kinder selbst.

Eine besondere Leidenschaft hatte er für das Reisen. "Über die Niagarafälle in Kanada bin ich einst geflogen", erinnert er sich stolz. Das sei ein sehr bewegendes Naturschauspiel gewesen. Zu seinem Geburtstag war die ganze Familie nach Genthin gereist. Neben den Kindern gehören auch drei Enkelkinder und viele Freunde und alte Bekannte dazu. Auch der katholischen Kirche war Horn stets verbunden. "Mein Vater hat uns immer christliche Werte mitgegeben und uns zur Toleranz gegenüber anderen erzogen", erinnert sich Sohn Bernhard Horn. Tochter Ursula Gnielka sagt: "Mein Vater hat mit allen gleich gesprochen, egal ob Bankdirektor oder Arbeiter, deshalb ist er bei vielen Menschen so beliebt."

Zur Feier des Tages brachten die Kinder der Kita Sonnenschein dem Jubilar ein Ständchen. Der 90-Jährige freute sich über die vielen Besucher und gab dem Bürgermeister das Versprechen: "Zum 95. sehen wir uns wieder."

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