Schulprojekt startet zunächst in kleinem Umfang / "Chiemgauer" zeigt, was daraus werden kann
Ab sofort mit "WIR" bezahlen

11.04.2015

   Von
Sigrun Tausche



Die Sekundarschule Parey hat nun ihr eigenes Geld. Und es "schwappt" auch schon nach draußen zu Partnern, die es akzeptieren. Diese Woche fand die Auftaktveranstaltung "Schüler machen Geld" mit Erstausgabe des "WIR" statt. Mit dabei waren namhafte Referenten.

Parey l "Es ist völlig neu, dass Schüler eine Bank gründen und Geld herausgeben", begann Rechtsanwalt Frank Jansky, der das Projekt begleitet, seine einführenden Worte. Deshalb gab es dafür auch die Auszeichnung der Robert-Bosch-Stiftung im Rahmen des Programms "Neulandgewinner". Das Projekt läuft erstmal zwei Jahre, erklärte Jansky, aber er sei zuversichtlich, dass etwas Dauerhaftes daraus wird, "denn es machen nicht die Schüler allein, sondern gemeinsam mit Unternehmen der Region."

"Meinen größten Respekt dafür, was Sie sich hier vorgenommen haben", würdigte Landrat Steffen Burchhardt die Initiative aller am Projekt Beteiligten. Er war sozusagen als Fachmann in Wirtschaftsdingen als Referent eingeladen: Der Diplom-Volkswirt hatte in seiner Lehrtätigkeit an der Uni Magdeburg unter anderem die Unternehmensgründung zum Thema und kennt sich auch mit dem Thema Banken aus. Welche Entwicklungsmöglichkeiten in solchen außergewöhnlichen Projekten, die klein anfingen und anfangs mitunter verspottet wurden, zeigte er am Beispiel der Grameen-Bank auf, einer Sozialbank, die vor über 30 Jahren gegründet wurde, um Menschen in Entwicklungsländern mit Kleinstkrediten wirtschaftlich auf die Beine zu helfen und heute ein Unternehmen mit zigtausend Mitarbeitern ist und in etwa 60 Entwicklungsländern aktiv.

Für die Schüler sei dieses Projekt sehr nützlich, betonte Burchhardt, denn ein gewisses wirtschaftliches Grundverständnis sei für jeden wichtig.

Zum Thema "Geld-Macht-Schule" sprach Kurt Wilhelmi vom "Omnibus für direkte Demokratie Berlin", bevor einer von denjenigen, die Deutschlands erfolgreichstes Regionalgeld auf den Weg gebracht haben, das Wort erhielt: Christian Gelleri, Vorstandsvorsitzender der Regios eG Rosenheim. Er startete im September 2002 mit sechs Schülern das "Chiemgauer"-Projekt. Erstausgabe des "Chiemgauer" war Ende Januar 2003. Inzwischen läuft der Betrieb über eine eigene Bank, die "Chiemgauer Regio UG", und dieses Regio-Geld wird im großen Umkreis von mehreren hundert Geschäften, Einrichtungen und verschiedensten anderen Anbietern akzeptiert. Die Idee, regionale Kreisläufe zu fördern und auch gemeinnützige Vereine vor Ort zu unterstützen, fand und findet immer mehr Zuspruch.

Die Pareyer Schüler haben also noch Großes vor sich. Im Moment kann in der Schülerfirma "Durstkiller" schon mit WIR bezahlt werden, auch im eigenen Internet-Café, und auch bei den ersten "auswärtigen" Partnern, der Musikschule "Musikeria" Güsen und dem Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Güsen zum Beispiel.

"Wir wollen wissen, wie Geld gemacht wird und wie Geld funktioniert", erläuterte Clara Eggert vom "WIR"-Team. "Für viele Schüler ist es das erste eigene Konto", betonte sie. Es kann also im kleinen Rahmen der Umgang mit Geld und mit einem Konto geübt werden.

Paul Konitzke stellte dann die Internetseite des "WIR" vor, auf der es unter anderem Informationen darüber gibt, wer den "WIR" bereits akzeptiert, und auf der auch Online-Banking möglich ist - ebenso wie über das Smartphone. Anschließend präsentierte er die "Wir"-Geldscheine.

Eine kurze Abschlussrunde mit Christian Gelleri, Steffen Burchardt, Kurt Wilhelmi und Schulleiterin Anita Krüger moderierte Oliver Wendenkampf, Landesgeschäftsführer des BUND Sachsen-Anhalt. Der "Massenaufbruch" zum letzten Schulbus beendete die Gesprächsrunde etwas plötzlich.

       

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