Auf dem neuen "Topfmarkt" in Jerichow wird eine uralte Tradition wiederbelebt
Fünf Ortsteile vereint am Maibaum

02.05.2015

   Von
Sigrun Tausche



Ein prächtiger Maibaum steht auf dem neuen Jerichower Topfmarkt. Die Überraschung ist gelungen: Nicht nur ein gewundener Kranz mit bunten Bändern ziert ihn, sondern er trägt auch die fünf Wappen der Ortsteile der Ortschaft Jerichow - Kleinmangelsdorf, Klietznick, Jerichow, Mangelsdorf und Steinitz.

Jerichow l Die Idee hatte Wehrleiter und Stadtarbeiter Ralf Braunschweig, und er habe sie mit Hilfe vieler weiterer Jerichower sehr hartnäckig umgesetzt, berichtete Ortsbürgermeister Andreas Dertz den zahlreichen Bürgern, die zu diesem ersten kleinen Maifest auf dem Topfmarkt gekommen waren. Der Maibaum soll stehen bleiben, bis wieder ein Weihnachtsbaum aufgestellt wird, kündigte er an.

Er hoffe, dass das Maifest auch in Jerichow wieder zu einer Tradition wird, sagte Andreas Dertz, und die recht große Resonanz bei diesem ersten Mal lasse hoffen, dass das klappt.

Etliche Bürger fühlten sich beim Anblick des Maibaums mit dem blau-weißen Schaft an Bayern erinnert - das hatte Andreas Dertz mehrfach zu hören bekommen und klärte die Sache deshalb gleich auf: "Blau und Weiß sind die Farben von Jerichow", betonte er. Auch die Jerichower Fahne ist blau-weiß.

Andreas Dertz bedankte sich bei allen, die gekommen waren, bei allen Helfern, bei der Feuerwehr und auch bei den Jerichower Oldtimerfreunden, die den Start ihrer gemeinsamen Maien-Ausfahrt etwas verschoben hatten, um hier dabei zu sein.

Ja, es war seine Idee, bestätigte Ralf Braunschweig, "aber was nützt die Idee ohne die Leute, die geholfen haben, die Idee umzusetzen!" Nach anfänglicher Skepsis seien viele bereit gewesen mitzuwirken. Er bedankte sich namentlich bei allen Firmen und Personen, die zum Gelingen beigetragen haben. Dazu gehörten drei Frauen von der Ortsgruppe der Volkssolidarität, die die Krone gewickelt haben: Vorsitzende Ingrid Klemm, Erika Herrmann und Elisabeth Braunschweig.

Mit Hilfe eines Kranfahrzeugs von Metallbau Höhne stellten Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr den riesigen und schweren Baum auf, anschließend wurden mit Hilfe der Drehleiter die fünf Wappen montiert.

Ein Festprogramm gab es diesmal noch nicht. "Wir haben uns erstmal ganz auf den Maibaum konzentriert", begründete Ralf Braunschweig und gestand, dass er doch ziemlich aufgeregt war, ob alles klappen würde. Dass es trotzdem zünftige Musik gab, dafür hatte Andreas Dertz gesorgt. Er hatte CDs mit Blasmusik herausgesucht - und auch eigene CDs mit dem Jerichow-Lied und anderen, die er und sein Vater Albert Dertz geschrieben hatten. Dabei durfte tüchtig mitgesungen werden. Beim nächsten Mal, versprach er, wolle er die "Klietznicker Dorfspatzen" mitbringen.

Fest des Sieges der Sonne über den Winter

Warum es diese ganz alte Tradition des Maibaum-Stellens überhaupt gibt, erzählte Rolf Naumann, ehemaliger Leiter des Klostermuseums, den Anwesenden. Hier nur ein ganz kleiner Auszug: "Schon in vorchristlicher Zeit war der 1. Mai ein Opfer- und Gerichtstag und gleichzeitig ein Fest des Sieges der Sonne und des Sommers über den Winter... Am Vorabend des 1. Mai, in der Walpurgisnacht, boten die Kräfte der Geister und Unholde noch ein letztes Mal alle ihre Kräfte auf ... War diese Nacht überstanden, wurde mit Tanz und Gesang um den grün geschmückten Maibaum das Sommerhalbjahr eingeläutet. Die Birke mit ihrem zarten Grün, dem leuchtenden Weiß des Stammes und dem frischen Saft unter der Rinde war besonders geeignet, den ganzen Segen der aufblühenden Natur zu verkörpern ..."

Auch im Jerichower Land habe das Aufstellen von Maibäumen eine lange Tradition, die man bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen könne.

   

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