Jubiläum für die Vorlesezeit / Initiator Peter Neumann wird vom Publikum gefeiert
"Felix" ist der einzige, dem Geschichten in der alten Mühle wenig behagen

08.03.2014

   Von
Ramona Adelsberger



Die Erfolgsgeschichte begann 2006 eher verhalten. Peter Neumann muss schmunzeln, wenn er an die erste Veranstaltung zurückdenkt. Damals ist er ganz allein und recht schnell wieder zu Hause gewesen. Das Blatt hat sich rasant gewendet. 49 Lesenachmittage sind gefolgt - allein war Peter Neumann nie wieder.

Badersleben l "Felix" knurrt beleidigt. Schließlich wohnt der Hund hier. Und dann kommen alle paar Wochen so viele fremde Leute auf "seinen" Hof. Es ist Vorlesezeit in Badersleben, und "Felix" ist der einzige, dem die Geschichten in der Alten Mühle nicht behagen. Für alle anderen gilt: Rechtzeitiges Erscheinen sichert die besten Plätze.

Am Mittwoch war Jubiläum, zum 50. Mal hatte Peter Neumann zur Geschichtenzeit geladen. Und wieder war sein Partner Norbert Krug anwesend. Der Sänger aus Halberstadt gehört mittlerweile dazu, zum sechsten Mal war er dabei, wie Peter Neumann in einer kleinen Statistik aufzeigte. Überhaupt nahm man sich mehr Zeit als sonst, um Dankeschön zu sagen. Den Anfang machte Ortsbürgermeister Olaf Beder, der Peter Neumann für die Initiative und das Durchhaltevermögen lobte. Statt Blumen überreichte er - nicht ganz uneigennützig - einen Büchergutschein. Im Antiquariat werde Peter Neumann sicher wieder neues "Vorlesefutter" finden.

Die Gastgeber Maria und Dietmar Küchenmeister überraschten mit einem Fotobuch, in dem Aufnahmen der vergangenen Lesungen und treue Stammhörer verewigt sind. Annelie Ahrens hatte im Namen aller Stammgäste extra ein Lied umgedichtet. Neben dem Veranstaltungsleiter Neumann bedankten sich die Gäste auch bei Christine Rosemann, die seit Jahren für stimmige Dekoration auf den Tischen sorgt und für alle Kuchen bäckt.

Rückblickend ging Peter Neumann auf einige Zahlen ein: "In den 50 Veranstaltungen lasen wir etwa 70 verschiedene Autoren, sieben Mal trafen wir uns im Sommer hinter der Mühle, wobei es einmal so kühl war, dass wir aus dem Freien nach drinnen flohen." Stolz hob Neumann hervor: "Und schließlich konnten insgesamt über 1000 Gäste begrüßt werden."

Neumann habe übrigens schon immer vorlesen wollen. Zu DDR-Zeiten habe er eine Anzeige mit dem Text "Ich möchte Ihnen vorlesen" aufgeben wollen. "Das klang nach Hochverrat und durfte nicht veröffentlicht werden", sagte der Rentner.

Gelesen wurde zum Jubiläum auch. Anlässlich des Frauentages ließen Peter Neumann und Norbert Krug verschiedene Frauen zu Wort kommen. Nachdenkliche Worte über eine Mexikanerin, die im 17. Jahrhundert scheinbar frei lebte, am Ende aber Opfer ihrer Begabung wurde. Und über eine Schwedin, die als Krankenschwester im ersten Weltkrieg den Gefangenen in den westsibirischen Erdbaracken half.

Peter Neumann erinnerte ebenso an diejenigen, die nicht mehr dabei sein können. Nach jeder Beerdigung wählt er zum Gedenken in der darauffolgenden Lesung ein passendes Werk aus. Für Margarita Gries las er die Geschichte von der Schlossfrau.

  

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