Reiner Strauß wird auf der Osterwiecker Oldtimerschau einen Moskwitsch ausstellen
Die Erinnerungen fahren mit

13.06.2014

   Von
Mario Heinicke



Auf dem Osterwiecker Oldtimertreffen am 14. und 15. Juni wird auch der Moskwitsch von Reiner Strauß zu sehen sein. Dieser ist seit dem Kauf 1977 im Familienbesitz.

Osterwieck l An dem Moskwitsch hängen für Birgit und Reiner Strauß Erinnerungen. "Darin sind wir 1977 zu unserer Trauung gefahren." Vielleicht ein Grund, warum der in Moskau produzierte Wagen nach seiner Stilllegung 1993 nie verschrottet oder verkauft worden ist, trotz Angeboten. Nein, er schlummerte bis jetzt in der Scheune.

Der Moskwitsch gehörte früher Hermann Miehe, dem Vater von Birgit Strauß. Er war in Osterwieck bekannt als Fahrlehrer und Kraftfahrer für die Ärzte des Medizinischen Zentrums. Auch dienstlich steuerte er einen Moskwitsch, der heutige Oldtimer war aber sein privater.

In der zurückliegenden Karnevalssaison sprach Reiner Strauß auf einer Veranstaltung Jürgen Herbst, der gerade im Elferrat aushalf, an, ob man nicht die alte Limousine wieder zum Laufen bringen könnte. Der Kfz-Diplomingenieur im (Un-)Ruhestand nahm sich des Fahrzeugs an, ebenso Dieter Wust. Beide sind langjährige Mitglieder der Osterwiecker Interessengemeinschaft für historische Fahrzeuge. Und beide fahren selbst restaurierte Oldtimer aus DDR-Zeiten. Allerdings Zweitakter.

So ein Moskwitsch war ihnen vorher noch nicht in die Schrauberhände gekommen. Deshalb dauerte es einige Tage, bis sie dem Phänomen auf die Spur gekommen waren, warum der gestartete Motor nach dem Loslassen und Zurückschnappen des Zündschlüssels stets wieder ausging. "Das war schon fast eine verzweifelte Suche", berichtet Herbst. "Aber die Zündspule hat wegen der Kälte in Russland drei Anschlüsse, in unseren Autos nur zwei."

Doch die gute Nachricht: Der Motor läuft noch. Es konnte also weitergehen. Zumal Hermann Miehe, im Auto gelagert, unzählige Ersatzteile hinterlassen hat, zum Beispiel Zylinderkopfdichtung, Zündverteiler und Keilriemen. Aber auch ein Mäusenest war nach den vielen Stilllegungsjahren im Auto entdeckt worden.

Zum Glück hatte Reiner Strauß´ Schwiegervater immer für eine gute Unterbodenpflege gesorgt. Denn der Rost war früher das allergrößte Problem beim Moskwitsch.

Seine "Wiederbelebungsfahrt" hat der Moskwitsch auf öffentlichen Straßen noch nicht absolvieren können. Die TÜV-Plakette fehlt noch. Früher hätte Jürgen Herbst als Gutachter selbst den Stempel geben dürfen. Doch für die Plakette von seinen ehemaligen Kollegen fehlt noch ein entscheidendes Detail. Die Frontscheibe hat einen kleinen Riss im Sichtfeld des Fahrers. Eine neue Scheibe musste in Oldtimer-Fachkreisen organisiert werden, und das dauerte einige Wochen. Jetzt ist sie da, aber den Einbau wollen die Oldtimerfreunde einem Fachmann überlassen. So ist noch nicht sicher, ob der Moskwitsch am Sonnabend den knappen Kilometer von der Straußschen Scheune zum Ausstellungsgelände an der Bahnhofstraße mit eigener Kraft oder als Abschleppfahrzeug bewältigt. "Zur Not schieben wir", sind sich die Drei einig.

75 PS Leistung hat der Moskwitsch bei 1500 Kubikzentimeter Hubraum. Das war vor fast 40 Jahren eine ganze Menge. "Bürgermeisterin Anneliese Scholle fuhr dieses Modell als Dienstwagen. Und privat auch Hermann Prasse, der nach der Wende Bürgermeister war", erinnert sich Dieter Wust, der früher neben seiner Arbeit als Lehrer und später Fahrradmechaniker Fahrlehrer bei der GST war. Er hatte die Schrauberei als Sohn eines Fuhrunternehmers praktisch in die Wiege gelegt bekommen.

Reiner Strauß strahlt ob der Arbeit der Oldtimerfreunde. Bisher bestand sein Kontakt darin, dass er als Getränkehändler die Osterwiecker Ausstellungen mit Trinkbarem versorgte. Am Wochenende wird er wohl nun mehr Zeit dort zubringen und gespannt sein, was die Besucher zum Moskwitsch sagen.

Am Sonnabend und Sonntag öffnet die Schau jeweils um 10 Uhr auf dem ehemaligen Druckereigelände gegenüber vom Einkaufszentrum. Die etwa 30 Osterwiecker Oldtimerfreunde um Vorsitzenden Rolf Mickler stellen neben Pkw auch Landmaschinen, Motorrräder und Stationärmotoren aus. Außerdem werden sich aus Erfahrung ungezählte Oldtimerfreunde aus der Region nach Osterwieck begeben und ihre kostbaren Schätzchen präsentieren. Der Eintritt für Besucher ist frei.

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