Stendaler Tätowier-Team "Inkmasters" plaudert über Tattoos, Trends und Tabus
Diese Jungs gehen unter die Haut

24.09.2014

   Von
Nadin Hänsch



Habt Ihr schon einmal mit dem Gedanken gespielt, Euch tätowieren zu lassen? Wir sagen Euch, was Ihr dabei beachten müsst und welche Möglichkeiten es gibt.

Stendal l Wenn die Tür von Magnus Urbans Tattoo-Studio "Inkmasters" in der Stendaler Hallstraße offen steht, könnt Ihr es manchmal hören, das Brummen der Tätowiernadel. Dann stechen Magnus` Kompanions Dirk oder Andy wahrscheinlich gerade ein Kunstwerk unter die Haut eines ihrer Kunden.

"Schon die alten Maorikrieger hatten Tattoos auf ihrem Körper, um zu zeigen, wer sie wirklich sind", erklärt Magnus. Doch nicht nur die Mitglieder dieses neuseeländischen Volksstammes schätzen die Tätowierkunst hoch, auch die Japaner und sogar die alten Germanen ließen sich tätowieren.

Magnus betreibt sein Tattoo-Studio schon seit 13 Jahren, er selbst sticht Piercings und lasert Tatoos weg. "Das tut manchmal in der Seele weh, wenn ich schöne Motive einfach entfernen muss", sagt er. Das Weglasern könne eine langwierige Sache werden, vier bis 15 Sitzungen bedürfe es schon einmal, wobei eine Sitzung nur alle drei bis vier Wochen abgehalten werden kann. "Das kommt ganz auf den Hauttyp und die Art des Tattoos an", erklärt Magnus. Für das Weglasern hat der 36-Jährige ein Zertifikat, das er nach einer Spezialschulung erhalten hat.

Mit 16 das erste Tattoo stechen gelassen

Weggelasern muss Magnus besonders sogenannte "Jugendsünden" von Kunden, die sich heute für ihr Tattoo schämen. Auch Liane Eckardt hat sich schon eine Tätowierung entfernen lassen. "Damals war auf meinem Nacken der Name meines ehemaligen Freundes zu lesen", sagt die 19-Jährige aus Gardelegen. Eben dieser Freund hat ihre Begeisterung für diesen besonderen Körperschmuck geweckt. Als sie sich ihr erstes Tattoo, eine Schwalbe, hat stechen lassen, war sie 16 Jahre alt.

Das Einverständnis für den Gang zum Tätowierer gab Lianes Vater. "Mutti war weniger davon begeistert, heute hat sie selber ein Tattoo", erinnert sich Liane. Nachdem der Name Ihres Freundes weggelasert war, hat sie sich eine Blume auf der Stelle stechen lassen, weitere Motive folgten. "Die Tattoos sind mein Schmuck, da brauche ich keine Kette", scherzt Liane und zeigt auf ihr Dekolleté. Das ziert ein geflügeltes Herz mit einem Schlüsselloch in der Mitte. Heute will sich die 19-Jährige einen Schriftzug daneben tätowieren lassen, "Love is key" (Liebe ist der Schlüssel) soll er heißen.

Stechen wird das, wie schon die letzten Male, Andy. Der 25-Jährige ist der Jünste des Tattoo-Studio-Trios und seit vier Jahren offiziell dabei. "Eigentlich bin ich ausgebildeter gestaltungstechnischer Assistent", sagt er. Doch die Tattoo-Kunst habe ihn seit seiner Jugend mehr gereizt und habe schließlich auch viel mit Gestaltung zu tun.

Sicherheit steht an vorderster Stelle

Bevor Liane sich zu Andy auf den Tätowierstuhl gesellen kann, füllt sie ein Schreiben aus. Darin muss sie beispielsweise über mögliche Allergien oder Krankheiten Auskunft geben. Weiterhin wird vermerkt, an welcher Stelle und mit welcher Farbe das Tattoo gestochen wird. "Bei neuen Kunden lassen wir das Blatt weit im Vorfeld ausfüllen, um Probleme ausschließen zu können", erklärt Magnus. Das Blatt diene dem Schutz der Kunden. Für die Nadeln gelten höchste Hygienebestimmungen, Lebesmittelkontrolleure checkten regelmäßig die Farben.

Eventuelles Nachstechen gehört laut Magnus zum Service. Nach dem Stechen gebe es eine Creme auf die Stelle, gegebenenfalls auch eine Kompresse. "Um Keime von der Wunde fernzuhalten", erklärt Magnus.

Tattoos waren in der DDR Abgrenzungssymbole

So strenge Hygienevorschriften gab es damals nicht. Auch nicht, als sich Dirk 1988 sein erstes Oberarmtattoo stechen ließ. "Damals hatten sowas Seeleute, Soldaten oder Knasties. Heute gehören Tätowierungen fast schon zum guten Ton", erinnert sich Dirk. In den 80ern wollte er sich mit seinem Tattoo vom Rest der Gesellschaft abgrenzen. "Das war nicht gern gesehen, aber wir Tätowierten haben zusammengehalten." Mittlerweile nimmt auch Lianes Schriftzug Gestalt an. "Am Anfang tut es ein bisschen weh", sagt die 19-Jährige. Aber dann mache ihr die Nadel, die im Milisekundentakt Farbe in ihre Hautzellen schießt, nichts mehr aus. Liane macht derzeit eine Ausbildung in einem Autohaus. "Da gehen Gesichtstattoos gar nicht", sagt sie. Die würde sie sich aber auch nie stechen lassen.

Auch das Team von Ink-masters hat dazu einen klaren Standpunkt. "Einmal kam ein 16-Jähriger mit seiner Mutter in unseren Laden und wollte ein Tattoo auf der Hand haben", erinnert sich Dirk. "Ich habe ihn gefragt, ob er schon eine Ausbildung hat." Die meisten Kunden, die gerade noch im Minderjährigen-Alter sind, könnten die Konsequenzen noch nicht richtig abschätzen. "Deshalb habe ich ihn weggeschickt", sagt Dirk. Es sei etwas anderes, sich ein Motiv an einer Stelle tätowieren zu lassen, die man verdecken kann, als auf die Hände oder ins Gesicht.

In ihrer Berufslaufbahn haben Dirk, Magnus und Andy schon viele lustige Geschichten, aber auch viel Leid miterlebt. "Oft lassen sich Kunden ein Todesdatum von ihren Kind oder anderen Familienmitgliedern stechen", sagt Magnus. "Wir sind also nicht nur Tätowierer sondern oft auch Seelsorger für unsere Kunden."

Dirk erinnert sich an eine Nonne, die bevor sie ins Kloster gehen wollte, um Nonne zu werden, sich ein Tattoo stechen lassen wollte. "Sie hat erzählt, dass ihr immer keiner zuhört und dann habe ich ihr als Motiv aus Spaß ein Ohr vorgeschlagen. Das hat sie sich dann auch auf die Schulter tätowieren lassen", sagt Dirk. "Nachdem sie ins Kloster gegangen ist, kam sie trotzdem noch zum Tätowieren."

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