Wernigeröder Kunst- und Kulturverein zeigt bis Anfang März Werke des Malers und Grafikers Manfred Gabriel
Spannungsgeladene Ostseelandschaften in fast klinischer Reinheit

31.01.2014

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Wernigerode l Der Darß ist seit jeher ein Anziehungspunkt für Künstler. Wie ein Magnet wirkt die abwechslungsreiche Küstenlandschaft zwischen Dierhagen und Zingst. Vor allem der Weststrand ist vielfach verewigt worden: Starker Seegang, Unmengen an Treibgut und vom Wind geformte Kiefern hinter den Dünen bieten Motive für mehr als ein Künstlerleben.

Der aus Burg stammende Maler Manfred Gabriel ist einen anderen Weg gegangen. Eine "intime Beziehung zur Ostsee" habe er, wie er sagt. Anders als viele seiner Kollegen wurde der flache und breite Nordstrand zu seinem bevorzugten Motiv. Und so sind seine Gemälde und Zeichnungen, die er seit Ende Januar in der Galerie im ersten Stock in Wernigerode ausstellt, ganz anders als die üblichen Ostseebilder aus Ahrenshoop und dem Prerower Westen.

Gabriels Strandbilder - die zu seinem Markenzeichen geworden sind - strahlen eine fast klinische Reinheit aus: Der Sand ist flach, das Wasser spiegelglatt. Immer wiederkehrendes Motiv sind die dürren Gestalten, die über die Strandlandschaften gehen oder einfach stehen und die karge Umgebung strukturieren. "Die Figuren am Strand haben für mich etwas Absolutes. Es gibt da keine Vegetation, die ihre Bewegung aufnimmt, nur das Waagerechte des Strandes und das Senkrechte der Figuren," erklärt Manfred Gabriel seine Bilder bei der Ausstellungseröffnung.

In den Sand gesteckte Holzstangen sind das zweite Motiv, das die Leere durchbricht. Sie sind ebenso dünn wie die Figuren neben und zwischen ihnen. "Der Raum wird geschaffen durch die Dinge, die da sind: Figuren oder Stangen. Er ist ansonsten vollkommen neutral", sagt Gabriel. Die Stangen hat er beim Zelten in den Prerower Dünen gesehen. Dort dienten sie als Halterung für Wäscheleinen aber auch als Abgrenzung des "eigenen" Grundstücks. Andere Camper seien nicht mehr über eine Fläche gelaufen, sobald diese durch Äste und Stöcker begrenzt gewesen sei, erzählt der Maler. "Ein ernstes Spiel, das sich auf der Leinwand fortsetzt."

Die spannungsgeladene Ästhetik von Gabriels Strandbildern setzt sich in anderen Werken fort. Seinen Bildern von leeren und klar strukturierten Zimmern, in denen sich ähnlich dünne Gestalten wie am Strand aufhalten, hat er lediglich eine strenge Perspektive hinzugefügt, die den Strandbildern in ihrer Offenheit weitgehend fehlt.

Neben den Gemälden zeigt die Ausstellung in zwei Vitrinen eine Reihe von Skizzenbüchern. Ferner sind viele Zeichnungen zu sehen, deren Motive weit über das Ostsee-Sujet hinausgehen. Auf viele davon ist Gabriel bei seinen Auslandsreisen gestoßen, auch wenn er sich selbst als Reisemuffel bezeichnet.

Die Ausstellung "Manfred Gabriel - Lautlos innehalten" ist bis 9. März in der Galerie zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis freitags 11 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, sonnabends ab 11 und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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