320 Demonstranten fordern Umgehungsstraße / Täglich passieren 19000 Fahrzeuge den Ort
Wedringer legen die B71 lahm

27.04.2015

   Von

Mit einer Demonstration haben am Freitag die Wedringer die B71 in ihrem Ort lahmgelegt. Mit dieser Aktion wollen sie ihrer Forderung nach einer Umgehungsstraße mehr Nachdruck verleihen.

Wedringen l Nur einspurig geht für anderthalb Stunden etwas in Wedringen. 320Demonstranten - Wedringer jeden Alters sowie Kommunal- und Landespolitiker - machen die Ortsdurchfahrt, die B71, dicht. Erst in Richtung Haldensleben, dann in Richtung Magdeburg. Die Folge: kilometerlange Staus.

Die Wedringer fordern eine Umgehungsstraße. "Wir warten bereits seit 20 Jahren darauf", sagt Steffen Kapischka, der mit der Familie Arnstedt und Ortsbürgermeister Martin Feuckert die Demo organisiert hat. Mit der Aktion soll der Forderung Nachdruck verliehen werden. "Unsere einzige Möglichkeit, etwas zu bewegen, ist Präsenz zu zeigen. Wir müssen Handlungsdruck erzeugen", so Kapischka weiter.

"Würde der Verkehrsminister hier wohnen, dann hätten wir schon längst die Umgehung", ist Sigrid Arnstedt es leid, noch länger zu warten. "Viele Minister waren schon hier, vieles wurde versprochen. Aber getan hat sich nichts. Jetzt müssen wir uns zeigen, müssen uns stark machen."

Seit Jahren nimmt der Verkehr, der täglich über die B71 durch den Haldensleber Ortsteil rollt, stetig zu. "Gezählt wird regelmäßig, denn es gibt eine feste Messstation", sagt Stadtpressesprecher Lutz Zimmermann. "Allerdings bekommen wir die Ergebnisse der Zählungen immer erst mit einer zeitlichen Verzögerung. Doch die letzte Verkehrszählung lag bei knapp 19000 Fahrzeugen pro Tag", ergänzt Stadt-Dezernent Henning Konrad Otto.

Fast 24 Stunden lang fließt der Verkehr ununterbrochen. "So ab 22 Uhr wird es etwas ruhiger, aber ab 2.30 Uhr geht es wieder richtig los", berichtet Lothar Heite. Er wohnt sein Leben lang schon an der Magdeburger Straße und kann sich daher auch an ruhigere Zeiten erinnern. "Früher konnte ich auf der Straße mal Federball spielen und als Kind Maikäfer fangen", erinnert sich der Wedringer, Jahrgang 1953. "Aber jetzt falle ich abends fast aus dem Sessel. Der Verkehr ist inzwischen richtig extrem geworden."

Auch Ina Schulze hat diese Erfahrungen machen dürfen. "Meine Tochter Luisa schläft zur Straße raus, aber sie kann dort nachts wegen des Lärms einfach nicht schlafen. Und tagsüber haben die Kinder keine Chance, die Straße zu überqueren. Daher fahre ich Luisa so oft ich kann morgens lieber selber zur Schule, damit sie nicht zur Bushaltestelle muss", erzählt sie.

In Planung ist die Ortsumgehung für Wedringen bereits, derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren. "Hinsichtlich des Abschlusses des Verfahrens kann derzeit aber leider noch keine Aussage gemacht werden", erklärte Peter Mennicke, Sprecher des Landesverkehrsministeriums, auf Anfrage.

Zwar ist die B71n Wedringen im Bundesverkehrswegeplan festgeschrieben. Doch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat angekündigt, dass für die Fortschreibung des Plans alle Vorhaben, mit deren Bau noch nicht begonnen wurde, noch einmal auf den Prüfstand kommen sollen. Und dazu zählt auch Wedringen...

    

Volksstimme digital

Jetzt einloggen

Kommentare