Unterhaltungsverband Nuthe/Rossel diskutiert vor Ort mit Fachleuten und Bürgern
Gewässerschau mit Blick in gelben Graben

24.04.2014

Thomas Drechsel

Zerbst ist wasserreich. Die Nuthe durchzieht den Ort und sein Umland in einem engen Netz. Ihr Lauf, aber auch der zahlreicher Gräben werden zyklisch überprüft. Gestern war Frühjahrs-Gewässerschau in der "Kernstadt" Zerbst.

Zerbst l "Das sieht nicht aus, als gäbe es große Probleme." Birgit Bernstein schaut in die achtköpfige Runde, die sich gestern Mittag an der Schützenplatznuthe eingefunden hatte. Die Geschäftsführerin des Unterhaltungsverbandes Nuthe/Rossel hatte am Vormittag in Lübs eine weitaus größere Schar interessierter Schau-Beauftragter und Bürger vorgefunden. "Das weiß man vorher nie so genau." Doch als am Schützenplatz dann weder Willi Saar vom Anglerverband noch der erstmals und freudig begrüßte Zerbster Bürgemeister Andreas Dittmann (SPD) keine grundsätzliche Probleme vorbrachten, galt Frau Bernsteins Problem-Liste.

Dort stand der "Meliorationsgraben Nord" ganz oben an. Von den Äckern vor Zerbst transportiert er stark eisenoxidhaltiges Oberflächenwasser zur und durch die Stadt. Willi Saar sagt: "Sieht schlimm aus, das Wasser. Aber für Fische unschädlich." Die Gruppe beratschlagte sich dennoch, was man tun könne, um das Wasser des Grabens mit dem der Nuthe zu mischen. So war es vor noch nicht einmal 20 Jahren. Bevor es das Planfeststellungsverfahren zur Umgestaltung der Wasserführung im Bereich Alter Teich gab. Dittmann zuckt mit den Schultern, als Margit Rühe von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises die Sprache auf jenes Verfahren bringt. "Die Stadt wie auch der Unterhaltungsverband waren beteiligt. Der heutige Zustand ist allseits beraten worden. Man hätte Einfluss nehmen können."

Mag wohl sein, sagt der Bürgermeister. Dürfe jedoch nicht dazu führen, ihn so zu belassen. Es gibt eine Idee: "Könnte man nicht im Oberlauf des Grabens Sedimentfanggruben einbauen, die dann viel leichter zu reinigen wären?" Denn unmittelbar zuvor hatte Frau Bernstein erklärt, gerade an der Frauenmühle sei es stets sehr schwierig, den Mühlenkolk zu entschlammen. "Man kommt einfach nicht heran. Schläuche von weither verlegen, das ist immenser Aufwand."

Es gab weitere Überlegungen, aber keine Lösung. Die Gefälle- und Höhensituation von Nuthe und Graben sind hier derart ungünstig, dass ein Vermischen der Wasser beider nicht gelingt. "Das sehen wir ja hier ganz deutlich." Alternative Wasserführungen würden zu erhöhten Wasserständen auf angrenzenden Grundstücken führen. Ärger wäre die Folge.

"Wir werden hier weiter überlegen, was man tun kann. So ist das nicht befriedigend", sagte der Bürgermeister. Dann die nächste Station: Die Schützenplatznuthe im Bereich der Brücken am Heidetorplatz. Richtung Wallgrund löste sich unlängst ein großer Feldstein aus der senkrecht abfallenden Uferbefestigung. Ist dieser Verbau vielleicht sogar Teil der historischen Vortor-Befestigung des Heidetores?, fragte Dittmann. "Möglich, deshalb habe ich bei einer früheren Gelegenheit auch gleich den Denkmalschutz hier gehabt. Wir haben das gemeinsam beurteilt. Es muss etwas passieren, schon aus Sicht der Gefahrenabwehr", antwortet Frau Bernstein. Und was? "Entweder den Uferverbau entfernen und die Böschung in üblicher Neigung anlegen oder ein anders geartetes Bauwerk errichten." Wer bezahlt das? "Es ist ein städtisches Grundstück, andererseits sind wir als Unterhaltungsverband für die Uferpflege verantwortlich." Und Dittmann: "Möglicherweise wäre hier die Stadt in der Pflicht, den über das übliche Maß hinausgehenden Aufwand zu tragen."

Ein dritter Bereich der Schützenplatznuthe war gleich zu Beginn der Gewässerschau betrachtet worden. Gemeint ist der überbaute Bereich dieser Nuthe am Schützenplatz. Rund 40 Meter sind hier unter U-förmigen Betonelementen verschunden. Und dieser Bereich ist schwer zu pflegen. "Ein Rohr kann man sehr gut spülen, aber hier? Das ist schwierig", sagt Frau Bernstein. Alternativen gibt es nicht.

Der Rundgang brachte Problembereiche zur Sprache, Lösungen müssen noch gesucht werden. Bei alldem war Maja Schochardt eine sehr interessierte Zuhörerin. Seit März arbeitet sie sich als künftige Geschäftsführerin des Unterhaltungsverbandes Nuthe/Rossel in ihr Aufgabengebiet ein. Birgit Bernstein wird ihre Tätigkeit zur Jahresmitte aus Altersgründen beenden.

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