Bus-Streit
Keine Abfahrt mehr aus Gänsefurth?

13.06.2020

Ein erstes Ergebnis im „Bus-Streit“ ist da. Die Linien in Staßfurt und Egeln soll Haubold ab August nicht mehr fahren.

   Von
Franziska Richter

arbeitet seit 2013 bei der Lokalredaktion der Volksstimme in Staßfurt. Ihr Volontariat hat sie nach einem Studium auch bei Volksstimme absolviert.

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Franziska Richter

Staßfurt/Aschersleben/Bernburg l Es war absehbar: Torsten Haubold liegt mit dem Salzlandkreis im Clinch. Seit Monaten wird öffentlich darüber gestritten, wer das Vorrecht auf den Staßfurter Buslinienverkehr hat. Der Geschäftsführer des traditionellen Familienunternehmens aus Gänsefurth befürchtete, seinen Auftrag zum Busverkehr zwischen Staßfurt und Egeln zu verlieren.

Jetzt sieht es danach aus, dass Torsten Haubold tatsächlich als Verlierer aus dem Wettbewerb um die Buslinien hervorgehen soll. Denn wer ab August zwischen Staßfurt und Egeln fahren darf, steht jetzt nahezu fest.

Kein Zuschlag nach Ausschreibung

Den Zuschlag soll jedenfalls nicht Haubold bekommen, wie er selbst bestätigt. Die Linien in Staßfurt und Egeln wurden europaweit ausgeschrieben, jedes passende Unternehmen konnte sich bewerben. Dass ein Unternehmen jetzt die Zusage nach der Ausschreibung erhalten hat, teilt der Auftraggeber, die Kreisverkehrsgesellschaft KVG, selbst mit.

Die Tochtergesellschaft des Salzlandkreises teilt zwar offiziell nicht mit, wer den Zuschlag bekommen soll, da das Vergabeverfahren noch nicht ganz abgeschlossen ist. Formal gesehen muss noch eine gewisse Frist abgewartet werden, damit die Vergabe perfekt ist. Dem Vernehmen nach soll aber ein Reise- und Busunternehmen aus Aschersleben zum Zuge kommen.

Die Kreisverkehrsgesellschaft des Salzlandkreises musste als Einrichtung der öffentlichen Hand und Inhaberin der Linienrechte die Staßfurt-Egelner Buslinien ausschreiben. „Für die Umsetzung hatte KVG-Geschäftsführer Janko Wilke eigens eine Firma beauftragt“, teilt die KVG über das Prozedere mit. Auch einige Kommunalpolitiker im Kreistag hatten zuletzt gefordert, dass ein Teil des Busverkehrs wieder an private Subunternehmer gehen soll, wie schon seit Jahren praktiziert. Das wirtschaftlichste Angebot muss ausgewählt werden.

Staßfurt in vier Lose aufgeteilt

Die Staßfurt-Egelner Linien waren in vier Lose aufgeteilt worden. Jedes einzelne Los beinhaltete eine Leistung von 214 000 bis 284 000 Fahrplan-Kilometer pro Jahr. Dafür werden die Subunternehmer von der Kreisverkehrsgesellschaft bezahlt.

Ganz genau handelt es sich um die Fahrten auf den Linien 150 bis 161 – also Staßfurt, Neundorf, Hakeborn, Gänsefurth, Staßfurt-Bernburg, Egeln-Magdeburg, Groß Börnecke, Borne, Förderstedt, Löderburg, Wolmirsleben und Co.

Die vier Lose hätten an unterschiedliche Unternehmen gehen können, sollen laut Mitteilung aber an nur ein Unternehmen allein gehen. Mehr Informationen könne man bei einem laufenden Verfahren nicht an die Öffentlichkeit geben, so der Sprecher der KVG, Bill Bank. Auch wie viele Unternehmen und welche sich beworben haben, bleibt offen. Es ist nur die Rede von „mehreren Bietern“, die sich beworben haben sollen.

Haubolds Vermutung bestätigt sich

Torsten Haubold hatte dieses Ergebnis der Ausschreibung vermutet: „Es laufen ein halbes Dutzend Gerichtsverfahren, wer in Zukunft den Busverkehr im gesamten Salzlandkreis bedient und soviel ist klar: Nur einer wird überleben, die KVG oder wir. Da ist es doch logisch, dass man uns erstmal keine einzige Buslinie zwischen Staßfurt und Egeln mehr fahren lässt.“

Obwohl manche der Strecken, die Haubold ab August verlieren soll, schon von seinem Großvater gefahren wurden, bleibt er erst einmal gelassen. Momentan beschäftige ihn noch mehr, dass die Firma seines Vaters, Haubold Reisen, wegen Corona außer Gefecht gesetzt ist. Aber auch die Pandemie, ist sich Haubold sicher, werde der Familienbetrieb überstehen, wie so vieles in den letzten 80 Jahren.

Landkreis genehmigt sich Busverkehr

Den Rest des Busverkehrs im Salzlandkreis soll ab August die Kreisverkehrsgesellschaft KVG – wie bisher – im Raum Bernburg, Aschersleben und Schönebeck – bestreiten. Auch das bestätigt die KVG in ihrer eigenen Mitteilung: „Unterdessen informierte der zuständige Fachdienst für Verkehr und Ordnung die KVG sowie den Aufsichtsrat, dass die KVG auf Grundlage einer einstweiligen Genehmigung die Leistung im Konzessionszeitraum ab 1. August nach dem Nahverkehrsplan erbringen kann.“ Denn auch die Kreisverkehrsgesellschaft braucht eine Genehmigung, um zu fahren. Die Genehmigungsbehörde ist Teil der Salzlandkreisverwaltung selbst.

Um den Zuschlag für das Ascherslebener Busunternehmen offiziell zu machen, muss noch eine Frist verstreichen: Nachdem „Gewinner“ und „Verlierern“ der Ausschreibung jetzt mitgeteilt wurde, wer den Zuschlag bekommen soll, haben die „Verlierer“ jetzt bis 30. Juni Zeit, um die Vergabe prüfen zu lassen. Tun sie das nicht, ist der Auftrag vergeben.

Es geht um Millionen öffentlicher Gelder

Dennoch ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Denn Torsten Haubold bleibt seiner Argumentation, dass seiner Firma der Vorzug einzuräumen sei, wenn sich ein kommunales und ein privatwirtschaftliches Unternehmen um den Buslinienverkehr bewerben.

Der Unternehmer ist sich deswegen sicher: „Sobald die Entscheidungen endlich aus dem Salzland-Sumpf raus sind, wird es spannend.“ Was bisher abgelaufen sei, spotte jeder Beschreibung. „Da sollte ein altes Familienunternehmen vernichtet werden, nur weil es kostendeckend und ohne Zuschüsse arbeiten kann.“ Stattdessen wolle der total verschuldete Salzlandkreis auch weiterhin lieber Millionen an Zuschüssen in die Kreisverkehrsgesellschaft stecken. Haubold: „Ich dachte immer, Schilda liegt im Landkreis Elbe-Elster?“

Die Gegenseite hatte Haubolds Vorwürfe stets bestritten.

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