Jagd
14-Jähriger will Falkner werden

04.12.2020

Nachwuchsförderung mit Experten der Beizjagd auf dem Flugplatz Stendal-Borstel.

Von Kaya Krahn

Stendal/Borstel l Es ist kühl ganz in der Nähe vom Flugplatz Stendal-Borstel. Über den Wiesen hängt Nebel, der Himmel ist grau. Für Steinadler Ronja ist es ein besonderer Morgen. Sie darf ihre erste Beizjagd im Revier von Falkner Jörg Paufler, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Landesverbands Verein Deutscher Falkner (VDF), erleben. Doch nicht nur für Ronja ist es aufregend. Auch für Paul Haag ist dieser Tag etwas Besonderes. Der 14-järige Stendaler darf die Jagd begleiten – er will nämlich selbst irgendwann einmal Falkner werden. Da das große Treffen vom VDF Sachsen-Anhalt in diesem Jahr nicht stattfinden konnte, geht es in kleiner Runde zur Beizjagd.

Steinadler und Falke für Beizjagd

Neben dem vierzehnjährigen Stendaler und Jörg Paufler ist auch Jim Ohle von der Falknerei Wörlitzer Park vor Ort. Beide Falkner haben ihre Vögel für die anstehende Jagd dabei – Paufler seinen Falken Sophie und Ohle seinen Steinadler Ronja.

Zweieinhalb Meter Flügelspannweite

Der Steinadler ist mit seinen eineinhalb Jahren noch jung, die Beizjagd an diesem Tag eine Premiere. Er hat eine Flügelspannweite von zweieinhalb Metern und wiegt viereinhalb Kilo.

Jagd in Einklang mit der Natur

„Die natürliche Heimat der Steinadler sind die Alpen. Dort jagen sie Murmeltiere, Gemsen und Rehe. In der Obhut der Falkner werden sie vierzig Jahre alt und gehen mit dem Falkner eine enge Beziehung ein“, schreibt der Landesverband VDF. Bei der Beizjagd, die von den beiden Falknern betrieben wird, wird „überwiegend mit dem Habicht, Wanderfalken, Wüstenbussard und dem Steinadler auf Niederwild wie Hase, Kaninchen, Fasan und Krähenvögel gejagt“, heißt es vom VDF. Diese Art der Jagd sei besonders naturnah und ökologisch, mit gleichen Chancen für Jäger und Gejagte im natürlichen Umfeld. Sie „steht heute im Einklang mit einer modernen Gesellschaft“.

Langer Weg zum Falkner

Damit der 14-jährige Paul seinen Traum von der Falknerei erfüllen kann, braucht er noch etwas Durchhaltevermögen. Voraussetzung, um Falkner zu werden, ist ein vorhandener Jagdschein. Dafür muss eine Jägerprüfung abgelegt werden. Der „normale“ Jagdschein ist ab 18 Jahren nach bestandener Prüfung erhältlich, der Jugendjagdschein mit 16 Jahren.

Ist diese Hürde geschafft, kann es an die Falknerprüfung gehen. Jährlich gibt es einen entsprechenden Lehrgang mit anschließender Prüfung durch den Landesjagdverband. Dabei werden vier Fachrichtungen gelehrt: Greifvogelkunde, Jagdrecht, Greifvogelhaltung, praktische Beizjagd und Versorgung von erlegtem Wild.

Vogelschutz ist Aufgabe der Falkner

Neben der Jagd haben Falkner noch weitere Aufgaben: „Oft sind es Falkner aller Welt, auf deren Initiative Schutzmaßnahmen oder Auswilderungsprojekte bedrohter Greifvögel zurückzuführen sind“, sagt Jörg Paufler. Dabei sei die Erhaltung und Bewahrung einheimischer Greifvögel das Ziel. Am Trainingssonnabend geht es jedoch nicht um Vogelschutz, sondern um die Jagd. „Es gab rasante und atemberaubende Flüge“, sagt Paufler. Gefangen wurde bei der Beizjagd jedoch nichts, es war „immer Meister Lampe der Sieger.“

Paul Haags Traum Falkner zu werden, ist nach diesem Tag noch größer. Sein Vater und Opa sind selbst Jäger, in diese Fußstapfen möchte der 14-Jährige nun mehr denn je treten.

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